Mittwoch, November 28, 2007

Change Talk

Wie kommt es dazu, dass Menschen ihr Leben verändern ?
Meist bemerke ich bei meinen Klienten (und auch bei mir selbst) dass man zunächst in einer ambivalenten Phase steckt. Man weiss, man müsste etwas verändern, kann oder will aber jedoch noch nicht. Kosten und Nutzen des alten Zustandes halten sich mit denen der Veränderung die Waage. Man steckt in eine Art "Gefangenen-Dilemma". Treten die Ambivalenzen dieses Zustandes nun in Kontakt mit der Diskrepanz zwischen Erwartung und Erfüllung eigener Ansprüche mit sich selbst, dann ergibt sich aus Ambivalenz und Diskrepanz eine Art Interaktion, bei der sich die Motivation zur Veränderung erhöhen kann und zu einer Veränderung führen kann. Werde ich mir bewußt, dass mein Leben nicht so verläuft, wie ich es eigentlich erwarte, so hat diese Diskrepanz das Potenzial, ein Gefangenen- Dilemma aufzulösen. Systemiker unter uns brigen diesen Umstand mit dem Begriff der Paradoxie einher, welche oft Veränderungen in einem System auslösen kann. Für Menschen, die Organisationen (oder Gemeinden) führen bedeutet das, dass sie über eine Fokussierung dieser Diskrepanz unter Toleranz von ambivalenten Zuständen im Gruppenprozess eine Art Change- Talk in der Gemeinde oder Organisation enstehen lassen können, welcher paradoxe Situationen nutzen kann, eine umfassende Veränderung einzuleiten. Wieder wird klar, dass die Führunjg von Organisationen und Gemeinden nicht ohne Beteiligung der Basis geschehen sollte. Man würde viel Potenzial verschenken, wenn man paradoxe Potenziale in der Basis ausser Acht ließe...

Dienstag, November 13, 2007

Sündenfall

Letzten Sonntag trafen wir uns mal wieder in der Datscha zu einem philosophiosch-theologischen Brunch. Als Thema waren Gedanken rund um den Umstand des Sündenfalls angesetzt. Ein paar Schlaglichter und Gedanken aus unserem gemeinsamen Gespräch wirken bei mir extrem nach:

Das Wesen des Sündenfalls als Trennung.
Trennung zwischen Gut und Böse, zwischen Mednsch und Gott, zwischen Mann und Frau, zwischen Mensch und Schöpfung. Irgendwie scheint es, als ob der Sündenfall miteinander Verwobenes von einander separiert. Als ob eine "Suppe" in ihre einzelnen Bestandteile aufgelöst wird und diese Bestandteile ihre Verbindung verlieren.

Die Entscheidung des Einzelnen, nur in bestimmten Bestandteilen des Verwobenen zu existieren.
Es scheint fast, als ob der Mensch, von Existenzängsten getrieben, seine abgetrennte Existenz sucht, als ob er beschließt, nur in der Kartoffel der Suppe zu sein.

Das "Wiederverwobensein" als Überwindung der Sünde
Sich dazu zu entschließen, wieder verwoben zu sein mit Gott, mit anderen Menschen, zwischen Mann und Frau, mit der Schöpfung, erscheint in der Möglichkeit des Neuen Seins in Christus als Weg der Heiligung...

Freitag, November 09, 2007

Gemeindekultur: Lobpreistexte

Letzten Sonntag habe ich in einer Gemeinde in einem missionarischen Gottesdienst gepredigt. Im Vorlauf zur Predigt gab es, wie in Gemeinden eine Lobpreiszeit. Nun, mit musikalischer Anbetung in Gemeinschaft habe ich momentan meine Probleme. Jedoch, wenn ich in anderen Gemeinden bin, singe ich normalerweise mit, weil ich diesen Ausdruck der Anbetung, welcher für viele ChristInnen wichtig ist wertschätzen möchte. Diesen Morgen jedoch blieben mir öfters die Lieder, spezieller ausgerdrückt, die Liedtexte im Halse stecken. In vielen, fast allen Liedtexten ging es wechselseitig um die Größe Gottes und unser menschliches Unvermögen. Jedoch in einer geballten Ladung, dass ich den Eindruck bekam, dass eine ganze Gemeinde den Sonntag damit verbrachte "Ich bin Scheiße und schlecht" zu singen. Die Liedtexte sprachen in einer so deutlichen Weise davon, wie schlecht und unvermögend Menschen sind, dass es mich fast erdrückte. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Liedtexte in Anbetungszeiten sorgfältig überprüft werden sollten. Denn etwas zu singen, hinterlässt nunmal besondere Spuren im Denken und in der Seele des Menschen.
Gott ist doch auch immer noch groß und Gott, auch wenn wir ein wenig besser von uns selber denken ?

Mittwoch, November 07, 2007

Gemeindekultur: 50+1

Eine Vorstellung, die ich von Gemeinde oder christlicher Gemeinschaft habe, ist die der ermutigenden Gemeinschaft. Ich wünsche mir, dass wir alls Menschen uns gegenseitig ermutigen. Das Gute in uns fördern und unsere Stärken bestätigen. Beobachte Dich selbst: Ist das, was Du über Dich denkst, über Deinen Partner, über Deine Freunde, Deine Gemeinde und Dein Leben überwiegend positiv ? Sind die Feedbacks oder Einschätzungen Deinerselbst oder Deines Umfeldes überwiegend mit guten Aussagen angefüllt ? Nun, ich denke, wir stehen in der Gefahr, überwiegend defizitär zu kommunizieren. Schwächen, Fehler, Unzulänglichkeiten, Versagen oder auch: Sünde in den Vordergrund und Mittelpunkt unseres Fokus zu stellen.
Eine einfache Hilfe zur Fokussierung auf Stärken, Gelungenes oder einfach nur des Guten mag eine Angewohnheit im Sinne der 50+1 - Regel sein: Versuche, was Du über Dich selbst, Deine Freunde, Deine Familie, Dein Umfeld, Deinen Job oder Deine Gemeinde sagst, mit mindestens 51 % gutem Feedback zu füllen. Ein erster Schritt zur Entdeckung, dass wir sehr viel mehr Stärken haben, als wir so denken... Ein erster Schritt zu einer ermutigenden Kommunikation.