Freitag, Oktober 26, 2007

Gemeindekultur: Über das Gute nachdenken - über sich selbst nachdenken

Weiter, liebe Brüder: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob - dem denket nach. (Phil. 4,8)

Wie schnell ist man dabei, seinen Tag zu reflektieren und sich dabei nur an den eigenen Schwächen, fehlern und unguten erlebins festzubeissen. Mal ehrlich: Wer von uns setzt sich abends hin und denkt an all seine Erfolge tagsüber.
Zumindest ich selbst muss mich bewußt dazu bewegen. Zuoft denke ich über Schiefgelaufenes, mein Versagen, und ungute Entwicklungen nach. Und entmutige mich damit selbst. Allzuschnell steigen in mir Tageserinnerungen auf, an Situationen, in denen ich mich nicht gut oder wohl gefühlt habe. Das Ergebnis meinerseits ist oft, dass ich eine negative Bilanz des Tages ziehe. Zumindest unbewußt. Und gehe dann schlafen mit den Gedanken daran, was noch erledigt, verbessert oder optimiert werden muss.
Seit einiger Zeit versuche ich mir anzugewöhnen, auf der Autofahrt nach Hause an meine Erfolge tagsüber zu denken. An Situationen, in denen ich mich gut, wohl oder auch mächtig oder: potent gefühlt habe. An die Dinge die mir gut gelungen sind. Das Ergebnis meiner Reflektionen, die eher mit guten Dingen angefüllt sind, ist ein anderes selbstbild: Ich fühle mich gut, ermutigt und habe das Gefühl, gut in meinem Job zu sein. Dass meine Freunde um mich herum gesegnet sind durch mich (so wie durch sie). Dass meine Klienten einen guten Sozialarbeiter haben usw.
Und so auch in Bereich des Glaubens: Ich versuche mir gerade abzugewöhnen, ständig zu bilanzieren, wo ich noch mehr Heiligung brauche. Wo ich noch weiterkommen muss. Sondern erfreue mich lieber an meinen bereits gemachten Fortschritten. In dem Wissen, dass dies nicht aus mir heraus passiert, ich wohl aber einen Anteil daran habe. Indem ich mich darauf einlasse, was Gott tut. Und auch manchmal kämpfe und hart an mir arbeite, wenn Gott mir das aufs Herz legt.
Übrigens habe ich mir die Worte "Versagen", "Fehler", "Sünde" abgewöhnt. Ich nutze für mich selbst das Wort "Optimierungspotenzieal". Damit möchte ich nicht verdrängen, dass es z.B. Sünde gibt. Klar gibt es die. Aber ich möchte auch an meinen Fehlern das Gute sehen: Das es da nämlich noch Potenzial zur Verbesserung gibt. Ohne dieses Entwicklungspotenzial fände ich mein Leben und meine Arbeit langweilig. - ich darf mich weiterentwickeln. Darf weiter reifen und mich weiter verbessern. Viele Erfolgserlebnisse stehen mir noch bevor- wie schön...

3 Kommentare:

Marco hat gesagt…

hallo josha, schön dass du wieder blogst. finde deine gedanken recht interessant...

ich "erhole" mich gerade weitestgehend vom christlichen umfeld und finde "mein leben nach der gemeinde" recht spannend..

den einen kommentar (beim vorhergenden post) mit dem ausland bzw. dem typisch deutschen (negativ) denken fand ich sehr nachdenkenswürdig.. bin im grunde an dem punkt in nicht allzulanger zeit mal hier rauszukommen um andere mentalitäten und lebensumfelder kennenzulernen..

Danny hat gesagt…

Hey Josha,

danke für deinen ehrlichen Text. Ehrlich gesagt gehts mir auch so. Das alles liegt meiner Meinung nach an der Erziehung und Prägung, die man in der Vergangenheit erlebt hatte - viele schlagen dann später zum anderen Extrem über.

Ich definiere persönlich Sünde nicht als Optimierungspotential, weil Sünde in sich kein Potential zur Optimierung birgt, ganz im Gegenteil. Ich sehe Sünde als Potentials-Verschwendung. Aber mehr als das, sehe ich Sünde (immer noch) primär als Verletzung gegenüber Gott, nicht nur als eine Vergeudung meines Potentials. Vielleicht ist Sünde mehr als ein humanistisches "chacka, nächstes Mal strengen wir uns mehr an". Bei mir haben alle Selbstverbesserungstheorien fehlgeschlagen und ich bin zu dem Punkt gekommen, wie Paulus in Römer 7, dass ich nicht in der Lage bin, mich selbst zu bessern oder zu heiligen, auch wenn ich's will.

Ich denke dass ich am besten aufgehe und mich entwickle, wenn ich mich auf Gott richte und mich selbst vergesse. Nicht in dem Sinne von: ich bin nichts, ein elender Wurm (das ist keine Demut) - sondern indem ich aktiv sage, dass sich mein Leben nicht um mich selbst drehen soll oder muss. Vielleicht ist die größte Potentialsverschwendung diejenige, Gottes Potential und Wirkung in unserem Leben zu blockieren.

Ok, ich bin sehr abgeschweift - aber ich wollte damit deine Gedanken dazu nicht anfechten...

liebe grüße,
Danny

Backhausbrot hat gesagt…

Yes,ein Hoch auf´s steigende Entwicklungspotenzial!

Björn S. :-)